2014 - Ausflug nach Jaffna und in den Norden Sri Lankas

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Reisebericht

Ausflug nach Jaffna

Jaffna liegt im Norden Sri Lankas rund 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo auf der Jaffna-Halbinsel, einem Gebiet, das nur durch einen schmalen Landstreifen mit dem Rest der Insel verbunden ist. Die Stadt befindet sich an der Südküste der Halbinsel am Ufer einer Lagune, die durch mehrere vorgelagerte Inseln von der Palkbucht abgetrennt ist.

Tag 1: Bandarawela – Madhu – Jaffna (ca. 500 km)

Während die Stadt noch schlief, standen die Kinder um 2.30 Uhr auf, duschten sich und putzten sich die Zähne mit Eifer – nicht wie sonst, wenn sie zur Schule müssen. Um 3 Uhr waren alle startbereit (vor allem die Kleinen, je älter desto später) und los ging die Fahrt: zunächst über die serpentinenförmingen Straßen im Hochland nach Kandy und von dort weiter die Landstraße Richtung Norden. Die meisten Kinder schliefen die ersten vier Stunden und erst nach Morgendämmerung standen die ersten auf und um ca. 8 Uhr machten wir unseren ersten Stopp, um zu frühstücken: Tee und ein Art Pfannkuchen mit Sambol. Nach einer Stunde ging die Fahrt weiter nach Madhu – unser erster Aufenthalt. Die Geschichte des Ortes ist leider nicht so schön: Im Jahr 1544 kam es auf Sri Lanka zu einer Katholikenverfolgung, 600 Gläubige aus der Mannar-Halbinsel wurden hingerichtet. Die Überlebenden flohen, viele davon in den Dschungel von Madhu, wo sie einen kleinen Schrein zu Ehren Mariens errichteten.

Um das Jahr 1670 wurde der Schrein zu einer Kapelle ausgebaut, im Jahr 1870 entstand die jetzige, großzügige Kirche. Auch im Bürgerkrieg der letzten Jahrzehnte lag Madhu wieder inmitten des Geschehens. Jetzt ist es aber sehr friedlich dort, ein schöner Wallfahrtsort mit einer außergewöhnlichen Stimmung. Die Kinder hatten hier Mittagessen, besichtigten die Kirche und nahmen an der Messe teil. Die Kinder hatten so viel Spaß bei der Erkundung der Gegend, dass sich die Weiterfahrt verzögerte und wir erst nach Einbruch der Dunkelheit in Jaffna ankamen. Die Fahrt von Madhu nach Jaffna über die Landstraße 32 konnte bis vor kurzem wegen Minen nicht befahren werden.

Außerdem war diese Gegend früher eine Hochburg der LTTE Kaempfer. Müde und erschöpft –nicht nur von der Fahrt, aber vor allem vom Singen und Tanzen im Bus – kamen wir dann endlich im Good Shepher Kloster in Jaffna an und wurden mit einem köstlichen Abendessen verwöhnt (typisch tamilische Gerichte). Dieses Kloster ist ein Single-Mothers-Home, d.h. hier bringen Frauen ungewollte Kinder zur Welt, die dann zur Adoption frei gegeben werden. Oft sind die Betroffenen Kinder, die missbraucht wurden. Nach einem kurzen Abendgebet gingen die Kinder ins Bett und schliefen in einer grossen Halle auf Matratzen tief und fest.

Tag 2: Jaffna – die Insel Nagadeepa und der Strand

Früh morgens wurde man von den Gebeten und Zeremonien im Hindu Tempel geweckt. Vor allem waren die Kleinen wieder sehr früh wach und aktiv. Wir mussten uns beeilen, denn wir wollten auf die Insel Nagadeepa, die ca. 25 km von Jaffna entfernt ist. In praller Hitze fuhren wir zunächst auf einer kleiner Landstraße, die rechts und links von Wasser umgeben war auf die Insel Kayts, die mit dem Festland über eine Straße verbunden ist und weiter ging es bis zur Fähre. Da es ein langes Wochenende war, standen sehr viele Menschen in einer Warteschlange für die Fähre. Zum Glück sprach die Ordensschwester mit dem Aufseher, der uns dann vorließ. Ran an die Schwimmwesten und rein in die kleine Fähre. Mir war ein wenig mulmig zumute, denn die Fähre war recht klein und voll besetzt. Vielen Kinder fanden jedoch einen Sitzplatz und für alle war es das erste Mal auf einer Fähre. Zum Glück wurde keiner auf der 30 minütigen Fahrt Seekrank. Schwester Roshini war ein bisschen vom Kerosingestank übel. Die Insel ist ein Wallfahrtsort, denn hier soll Buddha gewesen sein. Auf der sandigen flachen Insel befinden sich ein buddhistischer Tempel und ein Hindutempel nebeneinander, sonst nichts. Die Tempel wurden vom Tsunami stark beschädigt und wurden renoviert, leider ging dabei sehr viel Spirituelles verloren, so dass es heute sehr kommerziell ist. Jedoch war es für die Kinder ein großes Erlebnis, zum ersten Mal an diesem Wallfahrtsort zu sein, vor allem für die buddhistischen und hinduistischen Kinder.

Nach dem Besuch fanden wir einen schattigen Platz, um Mittag zu essen und dann nahmen wir wieder die Fähre aufs Festland, diesmal mussten wir länger in der Hitze stehen. Um so mehr freuten sich dann die Kinder im Meer zu schwimmen – mit Klamotten für Mädels wie es hier so üblich ist. Einige gingen auf Muschelsuche, andere genossen die weite Sicht aufs Meer und andere wieder spielten im Wasser. Auch hier verspätete sich die Weiterfahrt, weil viele gar nicht mehr aus dem Wasser wollten, so dass wir erst gegen 18 Uhr wieder in Jaffna waren, um uns die Bibliothek anzusehen.

Die Jaffna-Bibliothek ist ein Symbol für die Geschichte des Sri-Lanka-Konflikts. Die 1933 erbaute Bibliothek wurde während der Unruhen im Vorfeld des Bürgerkrieges 1981 von einem regierungsfreundlichen Mob niedergebrannt, wobei mehr als 90.000 Bücher zerstört wurden. Während des Bürgerkriegs blieb die Bibliothek eine Ruine, nach der Rückeroberung Jaffnas ließ die Regierung sie aber wiederaufbauen.
2003 wurde die Jaffna Public Library wiedereröffnet. Leider war die Bibliothek geschlossen, so dass wir dann das Fort Jaffna besuchten, das während der portugiesischen Kolonialzeit Anfang des 17. Jahrhunderts gegründet wurde und 1680 von den Niederländern erneuert und 1792 nochmals umgebaut wurde. Die im Bürgerkrieg umkämpfte Festung wird vom Militär genutzt und ist erst jetzt wieder öffentlich. Nach einem kleinen Spaziergang durch die Festung ging es wieder ins Kloster und jeder sehnte sich nach Schlaf.

Tag 3: Jaffna – die Tempelanlage Keerimalai am Strand, die Festung in Jaffna und die Bibiothek – Rückreise

Nach dem Frühstück gegen 8 Uhr fuhren wir ca. 20 km nördlich von Jaffna nach Keerimalai, bekannt für die Tempelanlage und die heißen Quellen. Heiß ist sie nicht, die „hot spring of Keerimalai“. Das mineralhaltige Wasser, das hier seit Jahrhunderten aus einer unterirdischen Quelle sprudelt, und dem allerlei wundertätige Wirkungen nachgesagt werden, ist allenfalls warm. Dafür ist die Umgebungstemperatur richtig heiß, so dass der Schweiß in Strömen den Körper herunterrinnt. Bei den Hindus ist die Keerimalai Quelle heilig. Nur eine Mauer trennt die beiden großen Badebecken, in denen sich die Gläubigen, nach Männlein und Weiblein getrennt, Heilung von allerlei Gebrechen versprechen, vom Meer.
Der Legende nach kam der Ort durch einen indischen Priester an seinen Namen, dessen Gesicht aussah wie das eines Mungos (Übersetzt: Hügel). Nach dem Bad in der Quelle jedoch war sein Antlitz wieder das eines Menschen. Zum Dank errichtete er dort einen kleinen Schrein. Die ovalen Becken erinnern mit ihren breiten Stufen ein bisschen an römische Bäder, ihre Lage direkt am Meer ist malerisch.

Eigentlich wollten wir uns nur das Becken und den Strand anschauen und weiterfahren, aber die Kinder wünschten sich so sehr, im Becken zu baden, dass die Ordensschwestern es zuliessen und dass sogar die Ordensschwester Roshine ihr Gewand ablegte und ins Becken ging. Sie plätscherten und spielten eine Stunde im Wasser – denn dies war eine einmalige Gelegenheit.
Nicht weit von den Keerimalai Bädern, nur über die Straße hinweg, liegt der Naguleswaram Tempel, einer der fünf berühmten antiken Shiva Tempel (Iswaram) Sri Lankas und gleichzeitig der nördlichste.

Das Heiligtum hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1621 wurde der Tempel von den Portugiesen dem Erdboden gleichgemacht, 1878 endlich wieder aufgebaut, nur um 1918 bei einem Brand wiederum stark beschädigt zu werden.
Im Bürgerkrieg spielte er eine besonders traurige Rolle und wurde zu einem weiteren Monument der Grausamkeiten, der Verletzungen menschen- und völkerrechtlicher Konventionen auf beiden Seiten der kriegsführenden Parteien. Heute sieht man von dem historischen Tempel nur noch Teile des antiken, mit wunderschönen Ornamenten verzierten Eingangstores, zu dessen beiden Seiten Händler Sesambällchen mit Honig feil bieten, Blumen als Devotionalien oder Kekse zur Stärkung für den müden Pilger. 

Nach Ende des Krieges begann der Wiederaufbau, und seit 2012 ist der Tempel für die Gläubigen wieder geöffnet. Dadurch dass wir solange im Becken waren, konnten wir uns den Tempel nur ganz kurz ansehen und weiter ging es wieder nach Jaffna. Dort machten wir an einer sehr beliebten Eisdiele halt und naschten ein RIO Special (3 Kugeln Eis mit Früchten und Milch). Dann ging es wieder zum Kloster, wo schnell Mittagessen gegessen wurde, denn die lange Heimfahrt stand an. Die Kinder verabschiedeten sich von den dortigen Ordensschwestern und dankten für die Gastfreundlichkeit und dankten auch Friendship Kinderhilfe, die den Ausflug möglich machten. Dann wurde gepackt und schnell stiegen alle in den Bus, so dass wir gegen 16 Uhr die Heimreise antreten konnte. Die Fahrt ging über die Landstraße A9 Richtung Süden und dann wieder ins Hochland. Die Fahrt endete erst gegen 4 Uhr morgens und alle mussten am selben Tag noch zur Schule. Aber bei den Erlebnissen, die sie erfahren haben, und den Spaß, den sie hatten, war es kein Problem nach einer kurzen Pause in die Schule zu gehen, um den Freunden davon zu berichten.

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